Fußball WM… wer glaubt, das, was die nächsten Wochen folgt lässt sich schlicht in Fußballfan/nichtfan-Dasein brechen hat die Entwicklung seit 2006 verpennt. Spätestens seit dem, hachja, wie hat es uns die Presse so schön vorgekaut: “Sommermärchen”, ist Fußball nicht mehr nur das Produkt für die unverbesserlichen Asis mit Wohnort Tankstelle, es ist zum ganzgesellschaftlichen Event verkommen. Nun mag man es ja schön finden können wenn auch Lise Lotte von nebenan plötzlich Freude und Feiern am Fußball entdeckt und “wir alle” für den halben Sommer mal “Schland” sind. Das das ganze aber auch seine Schattenseiten hat kann ich euch als, naja, “tiefer verwurzelterer” Fußballfan leider nur zu gut sagen.

Apropos Wurzeln: von denen entfernt sich der Fußball nämlich immer mehr. Das hat jetzt noch nichtmal zwingend was mit weniger besagten (gröhlenden) Asis oder dezenterem Bierkonsum zu tun, die Auswirkungen sind ganz essentiell: der Fußball, das Spiel selbst, rückt immer mehr in den Hintergrund. Gewinnmaximierung steht heute an oberster Stelle und das Potential von König Fußball als Moneymaker statt Randgruppenleidenschaft wurde erkannt und wird hemmungslos ausgeschöpft. 15-jährige Tussis die außer Poldi und Schweini keinen Spieler kennen (und auch nie kennen werden) aber trotzdem plötzlich mitreden bzw feiern wollen werden vom Markt natürlich gerne gesehen. Alles was konsumiert bringt Wachstum, wodurch wir unsere Stars natürlich noch toller rausbringen können, was unser Produkt einer noch breiteren Basis auf den Teller legt. Worauf es hinausläuft ist eine gleichgeschaltete Masse die ihren mehr Werbe- oder Pop- als Fußballstars als Selbstzweck zujubelt. Fußball? Wird das auch noch gespielt? Wie gings aus? Egal, lasst uns feiern! Spätestens wenn manche Gestalten direkt nach einem verlorenen Champions League Finale nichts besseres zu tun haben als sich gegenseitig zujubelnd in ihre Vuvuzuela zu blasen (das nervige Mistding soll mal schön in Afrika bleiben und hat bei meinem Verein schonmal GAR NIX zu suchen) und sich dann wundert wieso das nicht bei allen Leuten gut ankommt wird klar dass der Spuk nach einer WM nicht einfach aufhört…

Aber mal zum Sportlichen! Über die deutsche Mannschaft lass ich mich jetzt besser nicht auch noch aus (ok, zu spät!). Was die Brigade Löw&Bierhoff da seit Jahren treibt hat sich auch längst oben fabulierter Kommerznorm angepasst. Leistungsprinzip scheint nicht vorhanden zu sein und je medientauglicher ein Spieler ist desto wahrscheinlicher seine Nominierung. Auch der Stil der Ausbootungen über die letzten Jahre spricht seine eigene Sprache.

Das Kapitel dürfte nach der WM aber beendet sein, nachdem die Herren bei den vergangenen Vertragsverhandlungen nach zuviel Macht strebten und dabei unsanft gegen die noch machtgeilere Wand namens Zwanziger liefen.
Insofern werde natürlich auch ich versuchen diese hoffentlich letzten Wochen mit der Shampoo-Clique zu überstehen und meiner Mannschaft trotz der unschönen Begleiterscheinungen die Daumen zu drücken. Auf der Rechnung habe ich sie in dieser Konstellation aber nicht. Den Titel sehe ich eigentlich nur über Spanien und Brasilien laufen die auch beide als eine der Wenigen von der erstaunlichen Verletzungsorgie bislang verschont blieben. Keinen Pfifferling setze ich dagegen auf Frankreich und Argentinien, die beide merken werden dass man aus der jeweils unterirdischen Qualifikation lernen und einen TRAINER hätte engagieren müssen. Maradona und Domenech haben ihre Unfähigkeit in diesem Berufsfeld nämlich schon ausgiebig zur Schau gestellt. Da hilft dann auch kein Messi der bei den Gauchos eh nur ein Schatten seiner Barcelona-Selbst ist.

Double out!