..sind offenbar wieder in Mode. Heavy Rain, welches demnächst für die PS3 erscheint und derzeit von Magazinen und Spielern gleichermaßen abgefeiert wird, ist quasi Quick Time Event: The Game. Ähnlich wie im Vorgänger Fahrenheit basiert so ziemlich das ganze Spiel auf einem einfachen Reaktionstest: Drücke A innerhalb weniger Sekundenbruchteile, oder du stirbst. Oder der böse Onkel mit der Rohrzange gibt dir eins über den Schädel, und die Handlung geht nun anders weiter. Egal, was die Konsequenz ist, man braucht keinerlei wirkliche Planung, Taktik oder – wie man so schön sagt – “Skill”, man muss nur schnell das gewünschte Knöpfchen drücken.

Ist das noch ein Videospiel? Ich denke, Spiele wie Heavy Rain machen dort weiter, wo der vielbespuckte “Interaktive Spielfilm” irgendwann Ende der Achtziger aufgehört hat. Der Unterschied zu Geschichten wie Dragon’s Lair oder Space Ace liegt darin, dass ein Versagen nicht automatisch den Tod bedeutet, vielmehr steuert man nur allmählich Richtung Game Over, wenn man es zu oft vergeigt. Der Spieler schaut nach wie vor einen Film, doch der Film hat viele, viele verschiedene Handlungsstränge, und je schneller man reagiert, um so wahrscheinlicher ist das Happy End zum Schluss. Dennoch, irgendwann gehen die Szenen aus, irgendwann gibt es einfach nicht mehr genug “Filmmaterial” um den Helden noch zu retten, nachdem er der Rohrzange nicht ausweichen konnte, dem nachfolgenden Tritt ebenfalls nicht, dem Klavier, welches dann von einem Hochhaus fiel, ebensowenig. Dann ist der Film vorbei, beziehungsweile im Fall Heavy Rain: Dann ist der Held tot, und die Story geht trotzdem weiter – nur ohne den armen, von akuter Reaktionsschwäche geplagten Protagonisten.

Zumindest soll es so laufen, wenn das, was uns Quantic Dream-Chef David Cage erzählt. Die Erfahrung lässt mich allerdings skeptisch sein: Auch bei Fahrenheit wurde uns eine neue Ebene der Interaktiven Storyline versprochen – im Endeffekt galt das aber nur für die ersten 20 Minuten im Spiel, danach hieß es einfach: Klick oder Stirb. Wie bei Dragon’s Lair. Mit etwas beknackterer Story, allerdings.

Natürlich, mit der heutigen Technologie sollte dieses Spiel theroetisch einfach zu realisieren sein, welches eigentlich nur aus aneinandergereihten Zwischensequenzen in toller Qualität besteht. Auf einer Blu-Ray ist ja genügend Platz für sowas. Aber macht das ganze trotz anfänglichem Wow-Effekt letztendlich tatsächlich mehr Spaß, als ein Laserdisc-Automat von 1983? Oder werden die Spieler, die den aktuellen Metal Gear-Teil beschimpften, weil er ja “nur ein Film mit einem Schuss Spiel” wäre, bemerken, dass Heavy Rain im Endeffekt noch viel weniger Spiel bietet als Solid Snakes vierter Ausflug?

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