Meine Güte, was habe ich von Dragon Age: Origins alles erwartet. Und, meine Güte, was ist es letztendlich geworden.

Als alter Das Schwarze Auge-Veteran habe ich mich seinerzeit wie irre auf Drakensang gefreut. Endlich ein RPG in bester Baldur’s Gate-Tradition, dachte ich. Bei den Wertungen kann es ja nur genial sein, dachte ich. Das Ende vom Lied: Nach ca 3 Stunden Spielzeit ists wieder von der Festplatte verschwunden, ich war grundlegend erschüttert und das RPG-Genre war für mich offiziell tot. Ein Baldur’s Gate in 3D funktioniert einfach nicht, es wird zu viel falsch gemacht, zu viel missachtet, alles wird weichgespült und vercasualt. Pustekuchen! Jetzt gibt’s Dragon Age!

Zuallererst: Die Grafik geht mehr als in Ordnung. Irgendwie kommt es mir so vor, als ob alle Welt 1. nur noch auf die Optik achtet, und 2. langsam den Überblick verloren hat, was eigentlich gute Optik ausmacht. Dragon Age ist nicht hässlich, im Gegenteil, es ist ein sehr, sehr schön aussehendes Spiel, mit hervorragenden Animationen, fantastischem Art Design und grandioser Matrix-Pausefunktion, bei der die zahlreichen, sehr nett aussehenden Effekte erst richtig zur Geltung kommen. Also, alle, die DA:O wegen der angeblich miesen Grafik nicht kaufen wollen: Kauft es! Herrgottnochmal!

Spielerisch ist dieses Brett von einem Spiel über alle Zweifel erhaben. Mit erwähnter Pausenfunktion und (PC only!) genialem Switch von Mittendrin-3D-Ansicht auf Baldur-Style Top-Down Ansicht, welche überall optimale Übersicht garantiert (übrigens incl. “Fog of War” und ähnlichen Sperenzien) wird das absolute Optimum aus Neu und Alt herausgeholt. Neu und anders ist das Kampfsystem an sich – da die D&D-Lizenz diesmal wegfällt, haben die Jungs von Bioware sich von einem völlig anderen Genre inspirieren lassen – den MMOs. Die Skills lassen sich jederzeit auslösen, haben aber einen Cooldown – starke Fertigkeiten wie die Wiederbelebung toter Kameraden lassen sich entsprechend seltener benutzen als eine kleine Heilung. Und spätestens, wenn man zu viert am ersten großen Boss des Spieles hängt, fällt einem eine weitere Gemeinsamkeit zu WoW, HdRO und Konsorten auf: Aggrokontrolle. Ohne einen Tank, der die Aufmerksamkeit des Gegners mittels Schaden oder Rufen auf sich zieht, läuft gar nichts. Auch das in Fachkreisen beliebte Stunmezzroot hat seinen Weg ins Offline-Spiel gefunden. Somit spielen sich schwere Kämpfe ganz ähnlich wie eine Instanz aus einem beliebigen Online-RPG – jeder Charakter hat seine Aufgaben, und jeder Charakter muss jederzeit genau wissen, wie er diese einzusetzen hat.  Das aus BG1 und 2 meist bewährte “Einfach mal alle druff!” funktioniert hier nur selten, ebenso wie das stückweise herauslocken von Gegnern. Selbst bei diversen Zufallsbegegnungen auf der Landkarte muss teilweise knallhart taktiert werden, ansonsten landet man schneller, als man glauben mag, im Game Over-Screen.

Die Story will ich gar nicht weiter spoilern, aber zu sagen bleibt: Ich habe lange, lange Zeit gewartet, damit ich endlich wieder spannende, gut erzählte und unterhaltsame Quests und Nebenaufgaben erledigen kann wie hier. Das gabs wirklich zuletzt in Baldur’s Gate 2, und hier zieht Bioware alle Register. Achso:  Spielt das Ding auf Englisch! Die Sprecher geben alles, keiner klingt auch nur ansatzweise unpassen und allgemein ist die Synchro-Qualität unglaublich hoch, genau wie die des Sounds im Allgemeinen.

Ob der Altmeister aus Amn nun wirklich geschlagen wird, wage ich noch nicht zu vermuten. Aber ein besseres RPG habe ich seit den Baldur-Ausflügen nicht gesehen. Und ich habe viele gesehen.

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