Da stöbere ich mal ein bisschen in der Internet Wayback Machine, und was muss ich sehen? Das komplette Interview, welches ich vor gefühlten Ewigkeiten mit Kai von Pornophonique veranstaltet habe, ist tatsächlich noch zusammenhängend reproduzierbar! Da sich unter anderem GTA schon beschwert hat, dass mein schönes Archiv mit dem Webcomic-Umstieg seinerzeit völlig den Bach runter ist, gibts das Ding jetzt nochmal hier!

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Pornophonique ist eine Band. Eine ziemlich gute sogar. Und sie spielen – nach eigener Aussage – Lagerfeuergeschrabbel mit Gameboygedudel. Wir reden nicht von Elektromucke a’la 8 Bit Weapon, sondern von waschechter Gitarrenmusik. Nachdem ich (ich muss es zugeben) eher zufällig auf Pornophonique gestoßen bin, kann ich leider nicht rumnölen, wieviel besser doch die alten Sachen gewesen sein mögen. Die neuen sind jedoch fantastisch.

Bufko: Haha, na IHR habt aber einen LUSTIGEN Bandnamen, erzähl mal!

Kai: Eigentlich wollten wir ganz andere Musik machen. So Fahrstuhlmusik mit sanftem Pornotouch. Dazu hätte der Name ja dann auch ganz gut gepasst. Das hat aber musikalisch irgendwie nicht so ganz hingehauen und es ist dieses akustische Elektronikgedüdel bei rausgekommen. Den Bandnamen haben wir dann aber einfach mal beibehalten. Durch die frankophone Endung haben wir versucht, dem Ganzen dann wenigstens doch noch einen Hauch von Stil und Würde abzugewinnen. Das hat wohl aber auch nicht so ganz hingehauen … :-)

Gut. Ihr macht Gameboy-Mucke und seid nicht die ersten damit. Texte und Gitarre hingegen sind zumindest für mich in dem Genre relativ neu. Und beides klingt durchaus annehmbar. Warum also keine “richtige” Band, sondern Nischengekrampfe, bei dem man um jeden Auftritt kämpfen muss?

Äh, was meinst du mit “richtiger” Band? Wir brauchen halt nicht mehr Leute, um unsere Musik zu machen. Ich find jetzt auch nicht, dass da was fehlt, oder? Na, außer vielleicht den 4 Background-Sängerinnen, den 12 Bläsern, den 30 Percussionisten … Und was meinst du mit “Nischengekrampfe”? Und um unsere Auftritte “kämpfen” müssen wir schon gar nicht. Im Gegenteil: Bislang haben wir uns eigentlich überhaupt nicht um Auftritte gekümmert – die Leute kommen von sich aus auf uns zu.
Verhandelt werden muss höchstens mal über eine angemessene Gage – aber selbst hier sind die meisten Veranstalter so fair, entsprechend zu zahlen. Dafür, dass wir ohne Label oder Agentur sind und bislang alles komplett selbst in der Hand haben würd ich mal behaupten, dass es besser kaum laufen kann.

Thema Liveauftritt: Erinnert ihr euch noch an den allerallerersten Auftritt vor Publikum? Also keine besoffenen Kumpels, die eh alles geil finden nach drei Bier, sondern richtiges, hartes, erbarmungsloses Rockervolk. Oder so. Wie waren die Reaktionen?

Klar. Der erste Gig war auf dem Trebur OpenAir am 2. August 2003 irgendwann nachts um halb drei auf einer kleinen Bühne. Die letzen Festivalleichen haben sich um uns gescharrt und uns gehuldigt. War super! Viel legendärer allerdings war uns zweiter Gig! Der war nur ein paar Wochen später in Bad Homburg auf dem Laternenfest 2003. Nichts, aber auch gar nichts hat funktioniert. Kaputte Kabel. Wackelkontakte des Todes. Mitleidig-hasserfüllte Blicke des Publikums. Auf dem Laternenfest 2007 haben wir wieder in Bad Homburg gespielt – und diesmal war es ein rauschendes Fest. Wir stellen fest: Wenn man sich nur ein bisschen anstrengt, wiederholt sich Geschichte nicht zwangsläufig!

Wer sind eure musikalischen Vorbilder? Also ehrlich jetzt. Habt ihr überhaupt welche?

Hmm. Schwierig. Die Beatles und Aphex Twin?

Wie ihr euch getroffen habt interessiert eh niemanden. Spannender: Bei welchen Themen streitet ihr euch regelmäßig?

Ähnlich wie in der internationalen Politik: Wer ist der Geilste? Wer hat den Größten? Wer darf das nächste Solo spielen?

Wie läuft die Produktion eines Songs für gewöhnlich ab? Wie kann man sich so etwas als unmusikalischer Videospielenerd vorstellen?

Mal so ganz kurzgefasst: Einer von uns hat eine Idee zu einem Riff oder einer Melodie. Darüber wird dann ein bisschen gemeinsam musiziert. Dann wird irgendwann ein Text geschrieben und das Arrangement grob festgelegt. Schließlich wird monatelang an irgendwelchen Feinheiten gebastelt. Was die Aufnahmen angeht: Der Gameboy hat ja zwei Kanäle, die getrennt voneinander aufgenommen werden können (rechts, links). Wir haben für die Aufnahmen das ganze Gameboymaterial auf zwei Gameboys verteilt, damit uns vier Spuren zur Verfügung standen und wir die Einzelspuren somit besser abmischen konnten. Anschließend habe ich meine Gitarrenspuren eingespielt. Dann mehrere Gesangsspuren pro Song. Anschließend wurde das Ganze abgemischt (hat ewig gedauert) und zum Schluß noch mal gemastert, damit es sich richtig dick, rund und fett anhört. Einige Leute finden unseren CD-Sound ja viel zu überproduziert. We are doomed!

Gibt’s Groupies?

Ich fürchte: ja! Dummerweise alles Typen. We are doomed AGAIN!

Wenn du kein Mitglied, sondern ein Fan von pornophoniqe wärst: Was würdest du an den Jungs besonders toll finden?

Das sie die Mucke zum kostenlosen Download anbieten. Ich würde sie sogar SO TOLL finden, dass ich Ihnen dafür die CD abkaufen würde und noch ein T-Shirt. Oder zwei. Und ein Poster. Und einen Kapuzenpullover. Und HotPants! Und überhaupt!

Warum schreibt ihr “Bonuslevel” auf der /music-Seite eurer Homepage falsch? Hat das tiefenpsychologische Bedeutung? Ein Hinweis auf die Vergänglichkeit der digitalen Welt? Vielleicht ein Aufrütteln der Gesellschaft? Ein Schreibfehler?

Da ist und da war nie ein Fehler! ;-) [Lüge! Anm.d.Verf.]

Versucht ihr, mit eurer Musik irgendetwas zu “erreichen”? Gibt es ein höheres Ziel? Einen Masterplan? Oder alles just for fun?

Masterplan: Weltherrschaft! Davon abgesehen wären wir ganz glücklich, wenn wir weiterhin ein paar (oder mehr) CDs verkaufen und tolle Konzerte spielen können. Ganz prima wäre es, wenn wir mit unserem alternativen Geschäftsmodell (Creative Commons Lizenz) Leute davon überzeugen könnten, dass man keine Musikindustrie braucht, um gute Musik zu hören.

An der Stelle mag ich gleich mal Werbung für jamendo.com machen. Da stellen – wie wir auch – jede Menge Bands ihre Musik zum kostenlosen Download zur Verfügung. Gute Bands! Faire Bands!

Was zockt ihr, wenn ihr nicht gerade auf Welttournee seid?

Also wenn ich mal zum Zocken komme, dann oftmals alte C 64 Spiele. Eine zeitlang habe ich WoW gespielt. Aber da kann man ja gleich mit Crackrauchen anfangen. Das frisst ja Unmengen an Zeit! So viel davon hab ich auch nicht übrig, um ständig auf Pixel zu starren.

Und was sind eure Alltime-Favorites, was Video- und Computerspiele angeht?

Giana Sisters und Last Ninja II.

Irgendwelche absoluten HASSgames?

Nö. Was mir nicht gefällt, spiele ich einfach nicht.

Lustiges Assoziationsspiel! Erster Gedanke zählt, nicht nachdenken, nicht schummeln! Musik!

The Wailin’ Jennys

Videospiel!

Gute, alte, kaugummiverklebte Arcade-Automaten

Tetris!

Die Spielmelodie

Halo!

So Ballerkram halt, oder?

Shadow of the Colossus!

Hab ich mal ‘ne Demo von gesehen, war mir aber zu teuer und ich hab nicht die passende Konsole.

Iron Maiden!

“Scream for me, Long Beach!”

Sex!

phigge?

pornophonique!

pa-ling.

Assoziationsspiel Ende. Was war die allerallerblödeste Interviewfrage, die ihr jemals gehört habt?

Blöde Fragen gibt’s ja eher selten. Aber zwei Sachen können wir langsam nicht mehr hören:

1) Wie funktioniert das mit dem Gameboy?

2) Haha, na IHR habt aber einen LUSTIGEN Bandnamen. Erzähl mal!

Beantwortet hat er sie trotzdem. Konsequent. Ich bedanke mich vielmals für das Interview und wünsche Pornophonique nur das Beste!

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