araFrüher war alles besser, da hieß der Twix noch Raider, der Pluto war noch ein Planet und unser Land wurde von einem Mann regiert. Eine ganz besondere Verbindung besteht aber für viele zu den EURO-Boxen, in diesen großen Pappboxen waren in den 90er Jahren die PC-Spiele unserer Generation.

Für 89 DM hat man damals nicht nur eine CD, gelegentlich auch noch Disketten, mit der begehrten Software bekommen, sondern auch noch dicke farbige Handbücher, eine Menge unnützer Flyer und mit etwas Glück auch mal etwas mehr. Diese Zeiten verschwanden schnell als die DVD-Boxen auf den Markt kamen und sich immer mehr durchsetzten. Echte Gamer hatten diese lieblosen und kalten Plasikboxen von Grund auf abgelehnt und das zum Teil nicht ganz unbegründet. Klar die DVD-Boxen verschlingen nicht mehr ganze Regalwände, aber gleichzeitig war auch weniger Platz für Handbuch und weitere Beigaben vorhanden. Zumindest konnte man seine Pornostreifen nun besser unter den Killerspielen verstecken.

Der schlaue Entwickler von Welt hat dieses Platzproblem aber geschickt gelöst, denn die DVD-Box war auch die Geburtsstunde für Collectors Editions. Für einige (viele) Euro mehr wird der geneigte Spieler von heute mit Unmengen an komischen Schnickschnack eingedeckt. Einige Entwickler, wie zum Beispiel Blizzard, bauen ihre Collectors Editions eher klassisch auf und neben einem Art-Work-Book liegt meist nur noch eine Making-Of-DVD und ein Soundtrack bei. Dies hält sie aber nicht davon ab horrende Summen für diese Collectors Editions zu verlangen, die häufig das Doppelte kosten.

Manch andere Entwickler setzen da noch auf ein paar weitere Sachen die man in eine Collectors Edition reinpacken kann, so sind zum Beispiel auch Figuren häufig in diesen Boxen eingesperrt und bei Drakensang lag sogar ein komplettes Hörbuch bei. In den letzten Monaten haben einige Entwickler es aber bunter getrieben als Elton John im Darkroom und einfach mal probiert rauszufinden wo der Frosch die Dauerwelle trägt.

So wird man zum Beispiel bei Anno 1404 mit einer Schatzkiste als Verpackung beglückt, sicher nett anzuschauen, aber die Frau im Haushalt freut sich über ein neues Teil zum abstauben. Wer das gute Ding dann geöffnet hat, findet vor lauter Krimskrams das Spiel nicht mehr. Der billige Kompass der mit einer 25-prozentigen Chance nach Norden zeigt ist ein gutes Beispiel für unnützes Zeug. Das wird aber in derselben Kiste noch einmal getoppt und zwar von Mandelsamen… Wer braucht Mandelsamen? Nicht mal der verkackteste Vollnerd, der in seinem Beduinenkostüm auf irgendwelche Nerd-Conventions als Anno-Fan geht (No offense, Bufko!) wird eine Verwendung für Mandelsamen finden.

Übertroffen wird es nur noch durch die Ankündigung der Collectors Edition von Modern Warfare 2. Hier heißt die Collectors Edition übrigens Prestige Edition. Prestige stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und ist entliehen von praestigiae, was soviel bedeutet wie „Blendwerk“. Genau diese Übersetzung trifft es ganz gut, denn für die stolze Summe von $150 gibt es ein fucking Nachtsichtgerät dazu. Wenn das Land noch etwas mehr braucht als zusätzliche Juristen, dann sind das irgendwelche fetten Spanner mit Nachtsichtgeräten im Gebüsch. Zum Glück liegt (noch) kein M16 Sturmgewehr bei…

Eine weitere Unart sind irgendwelche dummen Ingame-Items. Das ganze fing bei MMORPGs an, wo ich für Age of Conan ein dummes Nashorn dazu bekam, wenn ich es bei GameStop vorbestelle. Bei Far Cry 2 gab es dann sogar irgendwelche Bonusmissionen und modern ist es auch irgendwelche Spielevorteile zu erteilen. Je nach Händler erhält man bei Dragon Age: Origins einen Ring mit unterschiedlichen Eigenschaften. Was das dem Kunden bringen soll? Keine Ahnung. Nur die teilnehmenden Händler reiben sich die Hände, denn die haben sich gegenüber den kleinen Shops einen Vorteil gesichert. Teilweise wird dies noch verbunden mit „Pre-Order-Packeten“, die nix anderes bedeuten als „Du zahlst uns schon mal 10 Euro, mit Glück kriegst du das auf den Endpreis angerechnet, mit Pech nicht, dafür geben wir dir ein Ingame-Item was du spätestens nach 30 Minuten Spielzeit wieder ablegen musst, uns in der Programmierung aber billiger kam als die wöchentlichen Thai-Huren“.

Aber solange uns kein Fingerfresser zum Pulsmessen für die Wii angeboten wird, ist die Welt noch in Ordnung…

Gastbeitrag von Ara

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