Diese Szene ist wirklich genau so (naja, fast) in Transformers 2:  Die Rache zu sehen. Rechnen wir mal nach: Fünf Decepticons tauchen ab, um Megatron wiederzubeleben. Einer wird gekillt und auseinandergenommen. Wenn die Bösewichtreinkarnation nun erfolgreich abgeschlossen wurde, wieviele tauchen dann wieder auf?

Nur ein Beispiel dafür, wie sehr sich Bay bei diesem Machwerk um sein eigenes Script gekümmert hat. Was in diesem Film passiert, ist der absolute Wahnsinn, und selbstverständlich folgen jetzt SPOILER!

Vom Start weg werden neue Roboter einfach so auf die Leinwand geknallt, ohne weitere Erklärung. Alleine mindestens zwei dieser generisch-hässlichen Dinger sind so offensichtlich an schwarze Hiphop-Klischees angelehnt (riesiger Bunnygoldzahn inklusive), dass es schon  fast weh tut. Arcee, die für den ersten Teil abgetan wurde mit “Wie sollen wir in so kurzer Zeit einen weiblichen Roboter erklären” taucht schon in den ersten Minuten auf, und zwar als Zwilling (oder Drilling? So genau sieht man das nicht) mit genau Null Sekunden Backgroundstory.  Aber da ja auch die Decepticons einen weiblichen Zusatz bekommen haben, und zwar einen, der sich (Achtung!) in einen Menschen transformieren kann, natürlich im stylesicheren Minirock, ist das ja auch irgendwie egal. Vermutlich hat sich Bay, im Gegensatz zur mir, nicht gefragt: “WTF?! Wenn die sich als Menschen tarnen können, warum machen sies nicht gleich so?!”

Erklärt wurde das in der entsprechenden Novel (nicht im Film, wohlgemerkt) mit der Tatsache, dass dieser Bot wohl eine elektronische Schaufensterfigur gescannt hat. Ja, nee, is klar. Ich verwechsle die Dinger auch immer mit Supermodels, sehen ja täuschend echt aus, und so.  Wen haben wir noch? Decepticons, die das Bein eines Menschen rammeln, zum Beispiel. Oder den vollkommen charakterlosen neuen Bösewicht, mit dem absolut großartigen Namen “der Gefallene“.  Wobei sich die Hauptdarsteller, was den Charakter angeht, eh alle zwanzig Sekunden komplett ändern. Optimus Prime schwankt mit schöner Regelmäßigkeit zwischen strahlendem Helden und blutgierigem Mörder hin und her, selbst Megatron ist sympathischer, weil er sich prima mit seiner Rolle als zweite Geige abzufinden scheint. Der einzige Roboter, der so halbwegs seinem Vorbild gerecht wird, wäre damit wohl Starscream. Ebenfalls ganz witzig ist Jetfire geworden, der zwar null mit dem Original zu tun hat, aber dafür die einzig wirklich witzige Comedy-Figur des Filmes (und von den unwitzigen gibt es eine Menge, glaubt mir) geworden ist. Wie er mit Bart und Spazierstock fuchtelnd über alte Zeiten sinniert, hat schon eine nicht zu unterschätzende Komik.

Von den Menschen fange ich erst gar nicht an. Wie der Held, Sam,  ein rückratloses, mit emotionalen und geistigen Problem belastetes Muttersöhnchen, der im Film quasi als der geborene Loser dargestellt wird, sich eine Braut wie Megan Fox (ich habe den Namen ihres Charakters schon völlig vergessen) angelt, darf Bay mir mal erklären. Scheinbar ist völlige Hirnfreiheit in Kombination mit massig emotionalen Problemen ein nicht zu schlagendes Aphrodisiakum.

Aber es gibt ja noch die Story! Ähm! Ich fasse mal zusammen.

Die Autobots arbeiten mit dem US-Militär zusammen, um Decepticons zu jagen und zu töten, die ganz offensichtlich friedlich vor sich hin leben. Dann irgendwann haben letztere die Nase voll und planen,  Megatron wiederzubeleben, und zwar mithilfe des Allspark, mit dem er im ersten Teil getötet wurde. Den hat Sam beim Umzug ins College berührt und seitdem komische Zeichen im Kopf. Die wollen die Decepticons auch haben, weil sie die Karte zu einer vor Urzeiten weggeschlossenen Machine beschreiben, die die Sonne zerstört. Diese Waffe will der Gefallene, damit er damit Energon herstellen kann, was für Transformers lebenswichtig ist. Warum nun überhaupt damals irgendwelche superintelligenten Transformers das einzige Gerät weggesperrt haben, mit dem man das Zeug herstellen kann, das für das Überleben der gesamten Rasse garantieren würde – fragt mich etwas leichteres. Wo war ich?

Achja, die Decepticons wollen Sam wegen dem  Splitter, weil ja von der Karte noch keiner weiß. Wobei sie ja eigentlich schon einen anderen Splitter haben. Damit beleben sie dann Megatron. Der fliegt direkt mal irgendwohin und unterhält sich prima mit dem Gefallenen, und der will besagte Maschine. Wo der Typ plötzlich herkommt? Ist doch egal. Irgendwann stirbt dann, wie gesagt, Optimus, weil seine Autobotkollegen gerade irgendwo eine Party schmeissen oder was weiß ich. Zum Glück hat Sam noch einen Splitter, mit dem man ja (soviel dürfte klar sein) Roboter wiederbeleben kann. Hah! Sam macht stattdessen folgendes: Er findet durch an den Haaren herbeigezogene Gespräche mit zufälligen Personen heraus, dass Jetfire die Symbole in seinem Kopf übersetzen könnte. Natürlich könnte das auch ein x-beliebiger anderer Transformer, aber dann würde die Handlung ja plötzlich Sinn machen. Jetfire ist aber tot. Jetzt kommts: Sam benutzt seinen Splitter, um Jetfire wiederzubeleben, damit dieser ihm erzählen kann, was er tun muss um Optimus wiederzubeleben. Ja, es ist SO hirnrissig. Und es geht bis zum Ende so weiter, bis hin zu dem Moment an dem Sam im Roboterhimmel landet um mit toten Transformers zu sprechen. Und das war kein Witz.

Auf dem Weg dorthin gibt es noch einen Haufen Roboterkämpfe, bei denen man zu 90% kaum ausmachen kann, wer da gegen wen kämpft, weil sowieso alle gleich aussehen. Sam hat manchmal einen fetten Verband am Arm und manchmal nicht (Zitat: “Wir haben Shia LaBeuf’s Verletzung perfekt in den Film übertragen”), diverse Charaktere wechseln die Seite und/oder verschwinden einfach aus dem Film und/oder tauchen einfach mal ohne Kommentar auf und die Handlung aller Beteiligten macht zum Großteil nicht den Hauch eines Sinns.

Transformers 2 ist mit Abstand der dämlichste Film, den ich bisher in diesem Jahr gesehen habe, und es wird sehr, sehr schwer sein, das noch zu toppen. Statt von Logiklöchern kann man hier von Sinnlöchern reden. Es gibt keine Handlung, es gibt keine Charaktere, die den Namen verdienen, und es gibt absolut und unbezweiflich keinen einzigen Grund, sich diesen Film überhaupt anzuschauen. Außer man findet Szenen lustig, in denen zwei Hunde rammeln. Sekundenlang. Mit der Kamera voll drauf. Und Devastator hat zwei Abrissbirnen zwischen den Beinen hängen. Ich muss gleich weinen.

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