Michael Bay und die hohe Kunst der Mathematik
Juni 29th, 2009Diese Szene ist wirklich genau so (naja, fast) in Transformers 2: Die Rache zu sehen. Rechnen wir mal nach: Fünf Decepticons tauchen ab, um Megatron wiederzubeleben. Einer wird gekillt und auseinandergenommen. Wenn die Bösewichtreinkarnation nun erfolgreich abgeschlossen wurde, wieviele tauchen dann wieder auf?
Nur ein Beispiel dafür, wie sehr sich Bay bei diesem Machwerk um sein eigenes Script gekümmert hat. Was in diesem Film passiert, ist der absolute Wahnsinn, und selbstverständlich folgen jetzt SPOILER!
Vom Start weg werden neue Roboter einfach so auf die Leinwand geknallt, ohne weitere Erklärung. Alleine mindestens zwei dieser generisch-hässlichen Dinger sind so offensichtlich an schwarze Hiphop-Klischees angelehnt (riesiger Bunnygoldzahn inklusive), dass es schon fast weh tut. Arcee, die für den ersten Teil abgetan wurde mit “Wie sollen wir in so kurzer Zeit einen weiblichen Roboter erklären” taucht schon in den ersten Minuten auf, und zwar als Zwilling (oder Drilling? So genau sieht man das nicht) mit genau Null Sekunden Backgroundstory. Aber da ja auch die Decepticons einen weiblichen Zusatz bekommen haben, und zwar einen, der sich (Achtung!) in einen Menschen transformieren kann, natürlich im stylesicheren Minirock, ist das ja auch irgendwie egal. Vermutlich hat sich Bay, im Gegensatz zur mir, nicht gefragt: “WTF?! Wenn die sich als Menschen tarnen können, warum machen sies nicht gleich so?!”
Erklärt wurde das in der entsprechenden Novel (nicht im Film, wohlgemerkt) mit der Tatsache, dass dieser Bot wohl eine elektronische Schaufensterfigur gescannt hat. Ja, nee, is klar. Ich verwechsle die Dinger auch immer mit Supermodels, sehen ja täuschend echt aus, und so. Wen haben wir noch? Decepticons, die das Bein eines Menschen rammeln, zum Beispiel. Oder den vollkommen charakterlosen neuen Bösewicht, mit dem absolut großartigen Namen “der Gefallene“. Wobei sich die Hauptdarsteller, was den Charakter angeht, eh alle zwanzig Sekunden komplett ändern. Optimus Prime schwankt mit schöner Regelmäßigkeit zwischen strahlendem Helden und blutgierigem Mörder hin und her, selbst Megatron ist sympathischer, weil er sich prima mit seiner Rolle als zweite Geige abzufinden scheint. Der einzige Roboter, der so halbwegs seinem Vorbild gerecht wird, wäre damit wohl Starscream. Ebenfalls ganz witzig ist Jetfire geworden, der zwar null mit dem Original zu tun hat, aber dafür die einzig wirklich witzige Comedy-Figur des Filmes (und von den unwitzigen gibt es eine Menge, glaubt mir) geworden ist. Wie er mit Bart und Spazierstock fuchtelnd über alte Zeiten sinniert, hat schon eine nicht zu unterschätzende Komik.
Von den Menschen fange ich erst gar nicht an. Wie der Held, Sam, ein rückratloses, mit emotionalen und geistigen Problem belastetes Muttersöhnchen, der im Film quasi als der geborene Loser dargestellt wird, sich eine Braut wie Megan Fox (ich habe den Namen ihres Charakters schon völlig vergessen) angelt, darf Bay mir mal erklären. Scheinbar ist völlige Hirnfreiheit in Kombination mit massig emotionalen Problemen ein nicht zu schlagendes Aphrodisiakum.
Aber es gibt ja noch die Story! Ähm! Ich fasse mal zusammen.
Die Autobots arbeiten mit dem US-Militär zusammen, um Decepticons zu jagen und zu töten, die ganz offensichtlich friedlich vor sich hin leben. Dann irgendwann haben letztere die Nase voll und planen, Megatron wiederzubeleben, und zwar mithilfe des Allspark, mit dem er im ersten Teil getötet wurde. Den hat Sam beim Umzug ins College berührt und seitdem komische Zeichen im Kopf. Die wollen die Decepticons auch haben, weil sie die Karte zu einer vor Urzeiten weggeschlossenen Machine beschreiben, die die Sonne zerstört. Diese Waffe will der Gefallene, damit er damit Energon herstellen kann, was für Transformers lebenswichtig ist. Warum nun überhaupt damals irgendwelche superintelligenten Transformers das einzige Gerät weggesperrt haben, mit dem man das Zeug herstellen kann, das für das Überleben der gesamten Rasse garantieren würde – fragt mich etwas leichteres. Wo war ich?
Achja, die Decepticons wollen Sam wegen dem Splitter, weil ja von der Karte noch keiner weiß. Wobei sie ja eigentlich schon einen anderen Splitter haben. Damit beleben sie dann Megatron. Der fliegt direkt mal irgendwohin und unterhält sich prima mit dem Gefallenen, und der will besagte Maschine. Wo der Typ plötzlich herkommt? Ist doch egal. Irgendwann stirbt dann, wie gesagt, Optimus, weil seine Autobotkollegen gerade irgendwo eine Party schmeissen oder was weiß ich. Zum Glück hat Sam noch einen Splitter, mit dem man ja (soviel dürfte klar sein) Roboter wiederbeleben kann. Hah! Sam macht stattdessen folgendes: Er findet durch an den Haaren herbeigezogene Gespräche mit zufälligen Personen heraus, dass Jetfire die Symbole in seinem Kopf übersetzen könnte. Natürlich könnte das auch ein x-beliebiger anderer Transformer, aber dann würde die Handlung ja plötzlich Sinn machen. Jetfire ist aber tot. Jetzt kommts: Sam benutzt seinen Splitter, um Jetfire wiederzubeleben, damit dieser ihm erzählen kann, was er tun muss um Optimus wiederzubeleben. Ja, es ist SO hirnrissig. Und es geht bis zum Ende so weiter, bis hin zu dem Moment an dem Sam im Roboterhimmel landet um mit toten Transformers zu sprechen. Und das war kein Witz.
Auf dem Weg dorthin gibt es noch einen Haufen Roboterkämpfe, bei denen man zu 90% kaum ausmachen kann, wer da gegen wen kämpft, weil sowieso alle gleich aussehen. Sam hat manchmal einen fetten Verband am Arm und manchmal nicht (Zitat: “Wir haben Shia LaBeuf’s Verletzung perfekt in den Film übertragen”), diverse Charaktere wechseln die Seite und/oder verschwinden einfach aus dem Film und/oder tauchen einfach mal ohne Kommentar auf und die Handlung aller Beteiligten macht zum Großteil nicht den Hauch eines Sinns.
Transformers 2 ist mit Abstand der dämlichste Film, den ich bisher in diesem Jahr gesehen habe, und es wird sehr, sehr schwer sein, das noch zu toppen. Statt von Logiklöchern kann man hier von Sinnlöchern reden. Es gibt keine Handlung, es gibt keine Charaktere, die den Namen verdienen, und es gibt absolut und unbezweiflich keinen einzigen Grund, sich diesen Film überhaupt anzuschauen. Außer man findet Szenen lustig, in denen zwei Hunde rammeln. Sekundenlang. Mit der Kamera voll drauf. Und Devastator hat zwei Abrissbirnen zwischen den Beinen hängen. Ich muss gleich weinen.
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Das hört sich ja alles ziemlich interessant an. Eigentlich kratzte mich der Film nicht die Bohne, aber dank deinem tollen Review denke ich darüber nach, ob es vielleicht mal wieder Zeit für einen kleinen Trashabend wird.
Glaub mir, ganz schlechte Idee. Jeder “echte” Trashfilm ist um längen spaßiger, und dauert auch nicht gefühlte fünf Stunden.
In einer Stunde fahr ich ins Kino =)
Schreib nicht so viel, die Transformadinger interessieren mich nicht.
Trotzdem toller Comic.
Ich kann das Review absolut unterschreiben. Zusammen mit Crank 2 bisher der größete Haufen Scheisse den ich dieses Jahr etragen musste.
Bring mich bloß nicht dazu, mit Crank 2 anzufangen
Ich will Michael Bays Kopf an einem Pfahl sehen
Supergeil fand ich btw auch “wir haben die unstoppbare Railgun BAMS Devastator ade. Oh nein, da stehen Mega und Fallen auf der Pyramide und wollen unsere Welt auslöschen, was sollen wir nur tun?!?”
lol, stimmt
Das ist mir jetzt tatsächlich nicht aufgefallen =)
Ein halbes Jahr zu spät, aber trotzdem noch Senf dazu zu geben. Sorry, aber habs erst jetzt gefunden.
Die Rechenaufgabe ist nur im ersten Moment unlogisch. 5 Transformer gehen runter. Als sie Megatron gefunden haben, spuckt Ravage den Doc aus (bzw. er lässt ihn aus einer kleinen Klappe aus seinem Brustkasten raus) Das macht jetzt insgesammt 6 Objekte die gemessen werden dürften. Der „Kleine“ wird gekillt, was die Anzahl wieder auf 5 verringert. Megatron wird wieder belebt, also sind es dann wieder 6 Objekte. Die Rechenaufgabe ist also korrekt.
Dass sich ein Decepticon in einen Menschen verwandeln kann stört mich nicht mal so sehr. Was mich nur verwirrt, ist, dass sie/er/es das manschliche Balzverhalten bis hin zum Paarungsakt nach zu ahmen scheint. DAS ist gruselig. Aber offensichtlich scheinen sie doch sehr in diese Richtung zu tendieren. Dass sich nicht alle Transformer als Menschen tarnen, kann vielleicht daran liegen, dass nicht alle in der Lage sind, sich etwas Organisches als Alternativform zu nehmen. Ravage und Skorponok tarnen sich auch als Tiere, sehen aber mechanisch aus. Und genauso wie es da Transformer gibt, die fliegen können und welche die es nicht können, kann es auch welche geben, die Organismen nachahmen können. Dass muss eben nicht heißen, dass es alle können.
Du glaubst jetzt nicht wirklich, dass die Decepticons da so friedlich vor sich hin gelebt haben und Megatron dann wieder belebt haben, weil sie es doof fanden, dass die Autobots immer rumstenkern, oder? Die Decepticons mögen die Menschen nicht und das kommt auch deutlich so rüber. Die kommen nicht auf die Erde, weil sie es hier so toll fanden. Spätestens nach dem Satz „Fallen wird wieder auferstehen“ dürfte klar sein, dass das kein Urlaub ist was die hier machen.
Der Harvester (die Maschine, die die Sonne zerstört) stellt kein Energon her. Das macht der Allspark. Er macht die vom Harvester freigesetzte Energie erst nutzbar. Das macht die Sache aber auch ein wenig arschlos, da der Allspark ja weg ist. Scheint sich also einer (Fallen) auf den Schlips getrten zu fühlen, weil er damals nicht mit seinem Spielzeug spielen durfte. Das Teil wurde übrigens nie eingesetzt, weil es gegen die Gesetze der Transformer verstößt, so viel Leben aus zu löschen (was ja passieren würde, wenn sie unsere Sonne zerstören) Fallen sieht das anders, er ist der Begründer der Decepticons, und wie die das sehen, brauche ich wohl nicht erläutern.
Die Personen über die Sam herausfindet, wer die Zeichen lesen kann, sind alles andere als zufällig. Irgendwelche beliebigen Personen hätten hier nicht im Geringsten weiter geholfen. Es mussten schon genau diese sein. Und auch wenn sie irgendeinen anderen x-beliebigen Transformer außer Jetfire wieder belebt hätten, wäre die Sache nicht logischer geworden. Die meisten anderen „Sucher“ hätte Sam und Co. Höchstwahrscheinlich gleich getötet. DAS wäre bal ein blödes Ende und wvor allem nicht logischer. Jetfire ist übrigens nicht tot, sondern liegt in einer Art Energiesparmodus, weil ihm irgendwann das Energon ausgeht. Leider kommt im Film nicht rüber, warum er nicht einfach wieder nach Hause zurück gekehrt ist, sondern hier auf der Erde in Stasis ging. Er erzählt Sam übrigens nicht vorrangig, wie er Optimus wieder beleben kann, sondern wo er die Matrix finden kann (worum es ja eigentlich geht) Sam fragt, ob er Optimus mit der Matrix wieder beleben kann (der Splitter ist ja weg) und Jetfire antwortet ihm.
Klar gibt es eine Menge Logiklöcher, aber die meisten lassen sich doch ganz gut stopfen. Ich habe mich auch erst gefragt, warum Sam mit dem Splitter nicht Optimus wieder belebt, sondern Jetfire. Aber auch das ist eigentlich logisch. Sam wird aus der Gefahrenzone gebracht und Optimus vom Militär abgeholt. Da Sam weltweit gesucht wird, kann er da nicht einfach reinmaschieren und kurz mal Optimus beleben. Er geht also in die einzige andere logische Richtung: er versucht raus zu finden, was die Zeichen in seinem Kopf bedeuten. Dass der Splitter aber scheinbar drauf geht wenn man jemanden damit belebt, konnte er nicht wissen.
Was mich allerdings auch stört, ist, dass haufenweise neue Charaktere rein geschmissen werden, die noch nicht mal einen Namen haben. Hauptsache ist aber, dass die untereinander wissen, auf wen sie gerade schießen. Und um den Film zu genießen muss man auch nicht die einzelnen Namen des Kanonenfutters kennen. Bei großen Schlachten muss man eben nicht die Namen von jedem einzelnen Kämpfer kennen.
Warum Fallen da seit sicherlich mehreren hunderten Jahren durchs All dümpelt ohne was zu machen ist mir auch ein Rätsel. Aber wenn man sich mal ankuckt, wie viele Kokons mit Nachwuchs da rum hängen, kann man sich vielleicht vorstellen, womit der sich die Zeit vertrieben hat *fg*