Ich glaube, es gibt niemanden, der heutzutage öffentlich zugeben würde: “Ich mag den Super Mario Bros.-Film!

Verständlich, natürlich, wurde doch dieses Machwerk vor, während, und nach Erscheinen gnadenlos verrissen. Okay, die Story ist mehr als hirnrissig: Mario (perfekt: Bob Hoskins) und Luigi (halt da: John Leguizamo), Klempner aus Leidenschaft, frönen ihrem Lotterleben in Brooklyn, als sich plötzlich herausstellt, dass die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren nicht ausgestorben wurden, sondern sich aufgrund eines Meteoriteneinschlags ein paralleles Universum gebildet hat. Dort entwickelten sich die Dinos selbstverständlich fröhlich weiter, und nun, in der Neuzeit, versucht deren König Koopa (grandios, allein schon die Idee: Dennis Hopper) mithilfe eines Steins, derzeit im Besitz von Studentin/Prinzessin Daisy (Samantha Mathis) die Herrschaft über die menschliche Welt an sich zu reissen. Erste Frage, die einem direkt in den Kopf schiesst: Welche Drogen genau waren dort im Spiel? Zweite und dritte Frage: Dennis Hopper? Was zur Hölle?

Die Mario Bros. machen sich also auf den Weg, die Welt zu retten. Das erledigen sie stilgerecht hauptsächlich durch Klempnerarbeiten und spektakuläre Stunts, die auch irgendwie alle mit “hopsen” im weitesten Sinne zu tun haben. Pilze und Yoshi gibts auch. Letzterer ist sogar recht niedlich. Es gibt wildeste Namensklauereien, die fast nie etwas mit der Ursprungsfigur zu tun haben – ein Gumba heisst Toad, eine dicke, grosse Frau nennt sich Big Bertha. Wer die Viecher aus dem Mario-Universum kennt, wird das ein- oder andere Mal wohl schlucken müssen. Das Sci-Fi-Szenario ist zwar prinzipiell erst einmal völliger Quark, wenn man sich erst an den Film gewöhnt hat, passt es allerdings erstaunlich gut. Und am Ende gibt es sogar Koopa in ganzer Pracht zu sehen. Also den echten. Nicht Hopper.

Was mich aber bei jedem Ansehen am meisten fasziniert, ist die Idee an sich. Es ist schwer zu beschreiben: Wie kommt ein denkender Mensch auf die Idee, einem abendfüllenden Spielfilm mit relativ namhaften Schauspielern ausgerechnet die Mario-Brüder zum Thema zu machen? Spätestens mit dem Durchsehen des Scripts müsste doch Idee ganz fix im Abfalleimer verschwunden sein. Aber nein, es gibt diesen Film. Und also wollen wir ihn loben und wertschätzen. Obwohl er schlecht ist, objektiv gesehen, macht er Spass.

Die Schauspieler hängen sich in ihre Rollen, sogar die zwei obligatorischen Bösewichtergehilfendummbatzen geben ihr Bestes. Mal abgesehen von Überflüssigkeiten wie Handlung und Setting ist der Film toll, dazu noch voll von Anspielungen, mal weniger, mal mehr offensichtlich: Die vorkommende Bob-ombe ist putzig, aber aufgesetzt, einige Sprüche haben es aber echt in sich. Wenn Hoskins locker-flockig in einer Kanalisation die Ursprungsrichtung eines Geschreis anhand des Echos erkennt, und dann der Satz “Ich bin schon mein ganzes Leben in Röhren rumgeklettert” kommt, kann sich der Autor eines Schmunzelns nicht erwehren.

Ein paar Slapstick-Einlagen sind ebenfalls recht witzig anzusehen. Und Herrgott nochmal: Die Ursprungsstory des Spiels lautete eben: Koopa entführt Prinzessin, Klempner jagt ihn und befreit sie. Und dieser Story ist der Film gerecht geblieben. Punkt.

Gut, statt Feuerblumen gibt es Flammenwerfer, aber who cares? Besser als der Streetfighter-Film ist Super Mario Bros allemal. Subjektiv betrachtet. Und wenn man dann noch den Masters of the Universe-Film mit Dolph “Zwei Gesichtsausdrücke sind einer zuviel” Lundgren hinzunimmt, muss man feststellen: Großes Kino war nie besser!

Directors Cut:
Dieser Beitrag stammt noch aus dem “alten” VGCC, wenn du schon eine Weile mitliest, wird dir das aufgefallen sein. Aber: Die Serie “Videospieleverfilmungen und der Horror, den sie mitbringen” ist hiermit eröffnet.

Zwar gibt es für Nummer Zwei noch keinen festen Termin, aber dafür darfst du in den Comments fleißig posten, welchen Film du gerne von einem Menschen komplett ohne Geschmack seziert haben möchtest. Streetfighter 2? Gern. Mortal Kombat? Immer doch. Andere Idee? Immer her damit!

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