Wenn man all den Raubkopierern auf dieser Welt eine einzige Frage stellen würde, welche wäre das? Cliff Harris, Entwickler bei der Independent-Schmiede Positech Games, möchte nur eines wissen: Warum?
Er will keine Falle stellen, denkt nicht daran, die Schattenmänner an die Polizei weiterzugeben, er stellt einfach nur eine ehrliche Frage. Warum kopiert ihr Spiele?

Auf seiner Webseite hat er einen Aufruf gestartet, ihm die Antwort per E-Mail zu schicken. Er wird diese Sender weder veröffentlichen noch die Adressen speichern, verteilen oder petzen. Nur lesen. Zumindest behauptet er das, doch er scheint es ehrlich zu meinen.

“Ich poste dann und wann über das Thema Softwarepiraterie auf meinem Blog, und ich bekomme einen Haufen Comments von Leuten, die so etwas verteidigen, oder der Meinung sind, mein Standpunkt wäre zu hart und ich würde die Proportionen falsch einschätzen. Die letzten paar Mal, als ich all die Antworten durchlas, habe ich begonnen über die andere Seite des Zaunes nachzudenken. Ich habe mich gefragt, ob es da irgendetwas gibt, was ich einfach übersehe.”


Besonders sauer stieß ihm die aktuelle Preisdiskussion um Braid auf, ein Xbox Live Arcade-Titel, der zwar sehr beliebt ist, aber mit 15$ (1200 MS Points) auch recht teuer im Vergleich. “Ich glaube, es ist schon etwas verrückt, wegen einem solch niedrigen Preis einen so großen Aufstand zu machen. Mir kommt es nicht gerade vor, als würde damit die Welt untergehen. Wir geben doch alle regelmäßig mehr für gute PC-Spiele aus”, sagt er. Dann denkt er an einen aktuellen Penny Arcade-Comic und fügt hinzu: “Ein $15-Dollar-Shirt wird vollkommen spontan ohne Gewissensbisse gekauft, aber ein Spiel für den gleichen Preis muss ein absolutes Meisterwerk sein. Ich kapiere es einfach nicht.”

Harris’ Plan scheint aufzugehen: Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung der Bitte, habe er schon “Tonnen, Hunderte, wenn nicht mehr” Antworten bekommen. Viele von ihnen waren sehr allgemein gehalten, ein paar waren sarkastisch, aber es waren auch einige sehr durchdachte, lange Erklärungen dabei – hauptsächlich von Spielern, die früher viel kopiert haben, es aber heute nicht mehr tun. Natürlich gibt es auch genau die Antworten, die Harris nicht hören wollte. “Diejenigen, die mich wirklich ärgern, sind die, die sich zwar ein Spiel ohne Probleme kaufen könnten, aber es kopieren, um ein bisschen zu sparen. Oder die Typen die meinen, sie hätten irgendeine intellektuelle Rechtfertigung zum Kopieren, es wäre ihr menschliches Recht, Sachen umsonst zu bekommen.”


Auch Harris überlegt übrigens, dem PC den Rücken zu kehren und sich auf Konsolenentwicklungen zu konzentrieren. Auch dort besteht im Grunde die Gefahr durch Raubkopien, ist aber – zumindest online – noch nicht so sehr verbreitet wie auf dem PC. Seine Email-Aktion zieht er zumindest bis zum Ende durch. “Ich glaube wirklich, ich kann hierdurch etwas lernen. Piraten charakterisieren alle Entwickler als fette Billionäre in vergoldeten Ferraris, und die Entwickler halten alle Piraten für stehlenden Abschaum.”, so Harris. “Es ist an der Zeit, dass beide Seiten der jeweils anderen zuhören. Der Piraterieszene die Schuld daran zu geben, dass immer mehr Entwickler sich vom PC verabschieden, ist okay, sofern es stimmt. Aber wenn es nur eine Ausrede ist, um wirklich – wirklich – schlechte Spiele zu vertuschen, oder man unbezahlbar gute Rechner braucht, um das Spiel überhaupt spielen zu können, ist es nur albern. Es ist einfach, alles was die Raubkopierer sagen, als Rechtfertigung für Diebstahl zu verkaufen, aber wenn sie sagen dass dein Spiel überteuert und verbuggt ist, und das DRM ein Alptraum, wäre es Wahnsinn ihnen nicht zuzuhören.”

Quelle: Arstechnica.com

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