Ha. Provokant gestartet. Und jetzt muss ich mir ein wenig Ärger von der Seele schreiben.

Heutzutage ist es ja extrem in, Spiele bis zum Erbrechen hochzuhypen (hallo, GTA) und zwei oder drei Wochen nach Erscheinen ungespitzt in den Boden zu kritisieren (hallo, Mario Kart). Vornehmlich übernehmen diesen dreckigen Job weniger Gamepro und Co.  als vielmehr diverse Internetforen, in denen die selbsternannten Spielekritiker kein gutes Haar an einem eigentlich durchaus sehr guten Spiel lassen – Kunststück, bei den richtigen Magazinen wirkt es auch mehr peinlich als kritisch, wenn die gerade noch hochgelobte Werbe Spielware in der nächsten Ausgabe von 102% auf gefühlte 23% runtergestuft wird.

Assassins Creed ist so ein Fall. Und Assassins Creed ist es vollkommen zu Unrecht.

Bei meinem ersten Spielchen mit dem guten Altair musste ich erst einmal laut lachen: Dieser hach-so-geheime Storytwist von wegen Zukunft, der gefühlte Jahrhunderte vor Release schon in einschlägigen Kritikersammelstellen bespuckt und als größter Spoiler der jüngeren Spielegeschichte deklariert wurde, wird von Ubisoft noch vor(!) dem Tutorial offengelegt. Großartig. Und darum das ganze Heckmeck? Und guess what: Es passt! Es passt, verdammt noch eins, wie die Faust aufs Auge. Natürlich ist die Geschichte um Generinnerung – gelinde gesagt – etwas fragwürdig, aber trotzdem will ich neben den offensichtlichen Altairinnerungen immer wissen, wie es mit Kollege Kapuzenpulli weitergeht, einfach nur deshalb, weil er tatsächlich ein sympathischer Typ wie du und ich ist. Großartig gemacht.

Man merkt schon, ich habe heute die unangenehme Tendenz, den Faden zu verlieren. Zukunft rockt also. Wie sieht nun das eigentliche Spiel aus, die Hetzjagd auf arme Opfer mit Assassine Altair selbst?

In meinem Fall schon mal ziemlich ruckelig. Meine Grafikkarte ist nun einmal nicht mehr die beste. Wenn dann die Details gen Himmel geschickt wurden, spielt sich das ganze aber relativ fluppig, und so komme ich in die einzigartige Situation, AC zu spielen ohne die Eigenschaft, die dem Spiel wohl die ganzen Vorschusslorbeeren eingebracht hat: Die Grafik. Erstaunlicherweise hat Altair sich trotzdem direkt in mein dickes Herz katapultiert. Dabei hat es so viele Negativpunkte! Dazu folgendes:

Mag ja sein, dass die Welt keinen GTA-Freiraum bietet, aber wenn man nicht nur um des Spielens willen spielt, sondern um die Story um Altairs Schicksal und das seiner Opfer wirklich erleben zu wollen, zieht das Teil alle Register. Die Nebenaufgaben sind teilweise doof, bringen mir aber mehr oder weniger hilfreiche Tipps oder Infos über mein Ziel, die Aussichtspunkte, die man besteigen muss, um diese Nebenquests freizuschalten sind im Grunde überflüssige Zeitschinderei, haben aber teilweise fast die Qualität eines Shadow of the Colossus-Kolosses, was den richtigen Weg hinauf angeht. Die Städte sehen alle ähnlich aus, aber das haben Städte, die ein paar Kilometer voneinander entfernt sind, so an sich! Wenn man mit offenen Augen auch mal in Ruhe Tourist spielt, und nicht – wie es der Großteil der Spieler Forenuser pausenlos zu machen scheinen – mit 20 km/h ausschliesslich hakenschlagend über Dächer sprintet, sieht man erst wie realistisch und liebevoll die Örtchen zusammengeschustert sind. Das Kampfsystem ist simpel, aber dafür jederzeit gut zu kontrollieren und (am wichtigsten!) ungemein spaßig. Gegen unfaire Übermacht hat man keine Chance, und das muss so sein! Es macht einen Heidenspaß, durch Menschenmengen, Verkaufsstände und über Dächer vor Horden von Häschern davonzujuckeln, auch wenn man dann nochmal den Weg zurücktapern darf. Seht ihr, und da habt ihr eure tollen Kritikpunkte.

Wenn du, du doofes Internet, also weiterhin der Meinung bleiben willst, AC ist langweilig und doof, dann ists mir auch egal. Ich gebe dann nur einmal den Tipp, das Spiel auch mal zu spielen! Und zwar nicht so, wie man Halo 3 spielt.

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