cover.jpgGestern habe ich mir die gamesTM gekauft. Eine Zeitschrift. Über Video- und Computerspiele.

Zur Info: Seit Jahren habe ich mich geweigert, mir sowohl Man!ac als auch GamePro zu kaufen, und auch nur in Ausnahmesituationen habe ich sie mir teils wegen der DVD (GamePro) oder wegen netter Artikel (Man!ac) dann doch noch zugelegt. Aber ihr Geld sind beide nicht mehr wert. Zu viele langweilige Tests mit vorhersehbaren “objektiven” Wertungen, die teilweise an Lächerlichkeit nicht zu überbieten sind. Zu wenige Interviews, spannende Reportagen oder einfach nur Infos, die man nicht ein Vierteljahr vorher schon im Netz gelesen hat. Info Ende.

Die gamesTM gab es in Deutschland schon einmal, aber damals, 2003, stellte sie nur die lausig übersetzte Fassung des durchaus guten UK-Magazins da. Die neue Fassung dagegen besitzt eine eigene, deutsche Redaktion und übernimmt vom Original lediglich Stil und einige Themeninhalte, ist aber ein eigens für den deutschen Markt hergestelltes Heft. Wenn aber die folgenden Ausgaben halten, was die Nummer 04 verspricht, erwartet die etablierten Magazine ernsthafte Konkurrenz, denn die gamesTM wischt schon in der Erstausgabe mit den erwähnten Staubfängern den Boden auf.

Die Liste der Redis liest sich wie ein Who is Who der Spielejournalismusbranche. Ob Richard Löwenstein von der Happy Computer oder dem PC Joker, oder Sönke Siemens von MEINER Video Games, schon die erste Seite mit den kurzen Vorstellungen liest sich sehr beruhigend. Die zweite Überraschung auf der zweiten, dem Inhaltsverzeichnis: Retro-Gaming hat eine eigene Kategorie! Und diese Features! Nach gemütlichem Durchlesen in der Badewanne lässt sich konstatieren: Das Heft überrascht. Angenehm.

Die Aktualität ist für ein Printmag geradezu spektakulär, und die Features überzeugen. Neben einem fantastisch geschriebenen Artikel über Sex in Videospielen und einem informell mittelmäßigen, aber schön zu lesenden Abriss über Generationswechsel hinter den Kulissen gibt es Unmengen Retro-Zeugs, Artikel über Doujin-Spiele in Japan, ein Making of von (Achtung!) Desert Strike, Interviews mit Will Wright und Takahashi Keita, dem Macher von Katamari Damacy, und, und, und.

Sogar die Spieletests, bei denen eine angenehme Systemmischung aus PC und Konsole sich ein Stelldichein gibt, lesen sich durchaus gut. Natürlich keine Spannungs- oder Witzgranaten, aber das allgemeine Gefühl ist sehr viel subjektiver und ehrlicher als das der Konkurrenz (wobei ich noch längst nicht alle Tests der Ausgabe gelesen habe). Dazu bei allen Tests Auflockerungen wie eine kleine Bessere- und- Schlechtere- Konkurrenz- Grafik, ein endlich sehr überschaubarer Wertungskasten und endlich KEIN – ich wiederhole – KEIN Fazit! Gewertet wird in 10er-Schritten, und die Ergebnisse fallen durch die Bank sehr realistisch aus. Hier scheint man sich wieder daran zu erinnern, dass die Skala eben nicht bei 80% beginnt.

Man merkt, ich bin ziemlich begeistert, und zwar absolut zu Recht. Nicht vom hässlichen Cover mit irgendwelchen Vegas-2-Soldaten abschrecken lassen: Kaufen. Auch wenn keine DVD dabei ist.

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